Generationenwechsel in der Leitung von Integra e.V.

 

Der begonnene Generationenwechsel in der Leitung von Integra e.V. schreitet schnell voran.
Die Geschäftsführung der Eingliederungshilfen hat Anfang 2019 Janis Drögekamp übernommen, die Abteilungsleitung der Jugendhilfen zum 01.06.2019 Simone Droegenkamp.
Vor Beiden liegen große Herausforderungen und eine Vielzahl von Aufgaben, um - gemeinsam mit den Leitungskräften und MitarbeiterInnen - die Zukunft von Integra e.V. erfolgreich zu gestalten.

 

 
Was sind für Sie die wichtigsten Ziele der nächsten zwei Jahre?
Janis Drögekamp:
Ich persönlich freue mich auf die Aufgabe, Integra e.V. als Organisation immer besser zu verstehen und mit den Leitungskräften und MitarbeiterInnen langsam, aber sicher, die nächsten Schritte zu gehen.
Trotz vieler neuer Aufgaben ist es mir ein Anliegen, mich nicht zu weit von der Praxis unserer MitarbeiterInnen zu entfernen. Das ist bei zunehmendem Arbeitsaufkommen ein Balanceakt, aber muss machbar bleiben. Ansonsten begleitet uns das Bundesteihabegesetz (BTHG), dass bis 2023 in verschiedenen Reformstufen umgesetzt wird. Hier gilt es das geschriebene Wort "Teilhabe" bestmöglich mit unseren MitarbeiterInnen und Kostenträgern umzusetzen. Trotz manchmal schwieriger Rahmenbedingungen, sollte die Unterstützung spürbar und positiv bei unseren KlientInnen ankommen und dafür möchte ich mich einsetzen. Wie genau das BTHG in Zukunft in der Praxis gelebt wird, weiß aktuell noch niemand im Detail und ich freue mich auf kommende Gestaltungsaufgaben.
Spannend wird in diesem Zusammenhang auch, wie wir es schaffen, auf erhöhte Hilfebedarfe von älteren KlientInnen oder Menschen, die krankheitsbedingt mehr Unterstützung benötigen, mit innovativen Angeboten einzugehen. Ich bin davon überzeugt, dass dies nur im Zusammenspiel mit dem jeweiligen Quartier, guten Kooperationen vor Ort und technischer Unterstützung, wo sie Sinn macht, funktionieren kann. So sind wir Konkret mit unserem AMBETAG Projekt in Witten und dem SEWO-Projekt im Kreis Unna auf einem guten Weg, erste Wohnprojekte auch in die Tat umzusetzen. Ansonsten gibt es einen Köcher voller Ziele, die im weitesten Sinne die Bereiche Digitalisierung und Fachkräftemangel berühren.
 
Simone Droegenkamp:
Durch meine jahrelange Tätigkeit in der Jugendhilfe und dem daraus resultierenden Erfahrungsschatz habe ich eine große Nähe zu den aktuellen Themen, die die Jugendhilfelandschaft beschäftigen. Auf der einen Seite der immer größer werdende Kostendruck bei den Kommunen und auf der anderen Seite der Wunsch nach spezialisierten Einrichtungen für junge Menschen, die ihren Platz in der Gesellschaft noch nicht gefunden haben. Spätestens, nachdem man den Film "Systemsprenger" gesehen hat, wird deutlich welchen Herausforderungen heutzutage die MitarbeiterInnen in der Jugendhilfe gegenüberstehen. Für mich als Führungskraft bedeutet es, Antworten auf die Fragen des Fachkräftemangels, der fachlichen Weiterentwicklung der Angebote und der Stabilisierung der Teams zu Finden.
Die ersten Schritte in diese Richtung sind bereits getan und ich freue mich darauf de eingeschlagenen Weg zusammen mit den Teams und Leitungskräften weiter zu beschreiten.
 
Wodurch unterscheiden sich aus Ihrer Sicht die Angebote für die KlientInnen und die Arbeitsmöglichkeiten der MitarbeiterInnen von anderen Dienstleistern im Sozialwesen?
Janis Drögekamp:
Mit Blick in die Historie von Integra e.V. haben sich unsere Fachdienste durch niedrigschwelliges Arbeiten und schnelle Entscheidungen ausgezeichnet. Diesen"Stiel" möchte ich fortführen. Das geht bei der Aufnahme im Ambulant Betreuten Wohnen los und mündet z.B. sichtbar in lebendigen Gruppenangeboten, die insbesondere von KlientInnen und MitarbeiterInnen initiiert wurden. Wenn KlientInnen mir oder in den Fachdiensten zurückmelden, dass Sie froh sind schnell gewusst zu haben, wie es weitergeht und sich ab dem ersten Kontakt mit ihren Problemen angenommen gefühlt haben, merke ich, dass hier einiges richtig gemacht wurde. Dann ist die Basis für eine Veränderung der individuellen Lebenssituation auf jeden Fall gelegt.
Den Quervergleich zu anderen Dienstleistern im Sozialwesen möchte ich allerdings nur ungerne bemühen. hier sehe ich unsere Fachdienste eher als ein Akteur in den Regionen, der sich in tragfähigen Kooperation(en) befindet und die Zusammenarbeit mit KollegInnen anderer Einrichtungen zu schätzen weiß. ABW ist Teamsport - anders funktioniert es nicht.
Bei Integra e.V. intern ist mir ein offener und wertschätzender Umgang miteinander wichtig. Ganz unabhängig ob in der Betreuung oder hausintern im persönliche Kontakt, in Teams oder bei anderen Anlässen. In einem hektischen Alltag sollte es auf menschlicher Ebenepassen. So können unterschiedliche Perspektiven gut zusammenkommen und auch genutzt werden. Außerdem wurde immer versucht, ein höchstmögliches Maß an Flexibilität und Freiraum für unsere MitarbeiterInnen zu erhalten.
Dies versuchen wir z.B. konkret in unserem flexiblen Arbeitszeitmodell und einer gesunden Mischung zwischen vorhandenen Strukturen und eigenverantwortlichem Arbeiten zusammenzubekommen. Eine weitestgehend selbstbestimmte Arbeitszeitgestaltung gleicht dann die gefühlt zunehmende Bürokratie aus.
Ansonsten versuchen wir uns auf die individuellen Lebensphasen unserer MitarbeiterInnen so einzustellen, dass es für die MitarbeiterInnen und den Verein bestmöglich passt.
 
Simone Droegenkamp:
Die Rückmeldungen von Mitarbeitern und Außenstehenden macht deutlich, dassIntegra e.V. als Arbeitgeber sich besonders durch die Bestrebung auszeichnet, die Mitarbeiter stetig weiter zu qualifizieren, sodass sie auf dem aktuellsten Stand der Pädagogik handeln können. Persönliche Stärken, Interessen und Entwicklungsmöglichkeiten einzelner Mitarbeiter finden hierbei Berücksichtigung und fördern die Professionalisierung der einzelnen Angebote und des gesamten Unternehmens. Die im Unternehmen gelebte Kollegialität und eine hohe Identifizierung der MitarbeiterInnen mit der Unternehmenskultur wirken  sich im pädagogischen Handeln stabilisierend und Sicherheit gebend auf das Klientel aus.
Schnelle Entscheidungsmöglichkeiten und eine Politik der kurzen Wege machen individuelle und passgenaue Hilfestrukturen möglich, die die jungen Menschen, mit denen wir arbeiten, in ihrer Entwicklung optimal unterstützen.
 
Im Gesundheits- und Sozialbereich fehlt es Allerorten an Fachkräften. Was wollen Sie tun, um qualifizierte Fachkräfte für Integra e.V. zu gewinnen und zu halten?
Janis Drögekamp:
Die Frage ist oben ja bereits teilweise beantwortet. Im übertragenen Sinne ist die Arbeit bei Integra e.V. ein Teamsport. Gerade weil die ambulanten Betreuungskontakte "draußen" stattfinden, ist das ein ganz wichtiger Punkt.
Die Allerweltsformel für den Fachkräftemangel habe ich auch nicht. Nun könnte man die verschiedenen Generationen der
Baby-Boomer, Generation X,Y bemühen, aber eines hat sich sicherlich nicht geändert: Zufriedenes und gesundes Arbeiten ist allen gleich wichtig. Hier sind wir ständig auf Lösungssuche, was nicht immer einfach ist.
Wir setzen aber insbesondere auf flexible Arbeitszeitmodelle, die sich je nach Lebenssituation der MitarbeiterInnen anpassen lassen und unsere Fachkräfte dürfen grundsätzlich sehr selbstbestimmt arbeiten. Das setzt natürlich Vertrauen voraus, das sich aber auszahlt. Wer einen starren Dienstplan möchte und jeden Tag gleiche Arbeitsroutinen sucht, ist bei uns sicher nicht richtig. Wesentlich finde ich für Neueinsteiger auf jeden Fall die Einarbeitung, die nach einer internen Mitarbeiterbefragung bereits kritisch evaluiert und auch verbessert wurde. Hier geht im Grunde die fachliche und persönliche Weiterentwicklung los. Den Leitspruch des "lebenslangen Lernens" versuchen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten auf jeden Fall bestmöglich zu unterstützen. Arbeitsfeldnah sind z.B. systemische Fortbildungen oder Module aus suchtberaterischen Kontexten. Das hängt dannimmer vom Stand des einzelnen ab. Ich würde mir für die Zukunft wünschen, noch mehr Inhouse-Schulungen anbieten zu können, da wir intern mittlerweile viel Know-How haben. Aber eins nach dem anderen. Das Thema Fachkräftemangel wird die Soziale Arbeit und uns auf jeden Fall weiter beschäftigen. Hier sind aus meiner Sicht auch Wohlfahrtsverbände und in erster Linie Kostenträger gefordert, die letztendlich durch angemessene Betreuungsentgelte dafür sorgen, dass wir Fachkräften auch angemessene Gehälter zahlen können.
 
Simone Droegenkamp:
Der immer weiter voranschreitende Fachkräftemangel wurde in den vergangenen Jahren im Bereich der stationären Arbeit besonders deutlich durch lange Phasen in denen vakante Stellen nicht zeitnah wieder besetzt werden konnten. Die bisher erfolgreich praktizierten Mittel um an Fachkräfte zu gelangen, zeigten nicht mehr die nötige Resonanz auf dem Arbeitsmarkt.
Also war es an der Zeit, neue Ideen zu entwickeln, um geeignete MitarbeiterInnen zu gewinnen.
Aus meiner Sicht ist es besonders wichtig besonders potentielle MitarbeiterInnen frühzeitig beim Einstieg ins Arbeitsleben anzusprechen und sich als Arbeitgeber an der beruflichen Ausbildung durch die Ermöglichung von Praktika und dualen Ausbildungs- und Studiengängen zu beteiligen. Daher haben wir begonnen, Kontakte mit Hochschulen und Berufsschulen zu knüpfen um die daraus entstehenden Synergieeffekte zu nutzen. Bereits seit dem letzten Jahr sind im Bereich der Jugendhilfe drei MitarbeiterInnen tätig, die sich im dualen Studium befinden.
Des Weiteren finde ich es sehr wichtig die Identifizierung der MitarbeiterInnen mit dem  Unternehmen durch innerbetriebliche Veranstaltungen zu fördern und unterstütze daher gerne teamfördernde Maßnahmen wie Betriebsfeste, interne Projekte und besondere Aktionen. In diesem Jahr haben Mitarbeiter von Integra e.V. erstmalig mit großem Engagement beim AOK-Firmenlauf am Hengsteysee in Hagen mit teilgenommen.
Ganz besonders gefreut hat es mich, dass wir gemeinsam mit dem Pelmke-Kulturzentrum in Hagen eine Vorführung des mittlerweile Preisgekrönten Films "Systemspringer" organisieren konnten und MitarbeiterInnen sowohl aus der Jugendhilfe, als auch aus der Eingliederungshilfe der Einladung gefolgt sind.
 
Der Vorstand von Integra e.V. wünscht weiterhin einen guten Start und gutes Gelingen!

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